Zwischen Deutschland und Syrien: Perspektiven, Verantwortung und öffentliche Debatte

Im Oktober und November 2025 haben wir zwei Online-Podiumsdiskussionen zur Lage in Syrien umgesetzt, weil wir Dialog als demokratische Praxis verstehen und Räume schaffen wollen, in denen syrische Stimmen in Deutschland sichtbar, hörbar und anschlussfähig bleiben. Eine Veranstaltung führten wir auf Deutsch durch, die zweite auf Arabisch; durch Simultanübersetzung haben wir in beiden Formaten den Zugang erleichtert und eine gemeinsame Debatte über Sprachgrenzen hinweg ermöglicht. Mit diesem Ansatz verfolgten wir konsequent das Ziel, die Dialogfähigkeit zwischen der syrischen Gemeinschaft und der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu stärken und dabei zugleich eine informierte, respektvolle Streitkultur zu fördern.

In der deutschsprachigen Diskussion widmeten wir uns den Debatten aus der politischen Mitte und den Folgen, die öffentliche Forderungen nach „Rückkehr“ und restriktiverer Politik für syrische Geflüchtete in Deutschland entfalten können, unter anderem vor dem Hintergrund jüngster Aussagen vom Bundeskanzler Friedrich Merz und Teilen der CDU. Wir sprachen dazu online mit Tareq Alaows von Pro Asyl und Thomas Schmiedinger von der Universität Wien, um politische Dynamiken, rechtliche Implikationen und gesellschaftliche Effekte in ihrer Wechselwirkung zu analysieren. Gerade in einer aufgeheizten Debattenlage war uns wichtig, Argumente zu prüfen, Begriffe zu klären und Betroffene nicht auf Schlagworte zu reduzieren, sondern ihre Lebensrealitäten als Teil gesellschaftlicher Verantwortung sichtbar zu machen.

Die arabischsprachige Podiumsdiskussion moderierten Ward Alhabash und Omar Allouni als Live-Format über Zoom, begleitet von einer Übertragung auf Facebook. In dieser Runde diskutierten wir mit Dr. Husam Hafez, Samar Ayyoub und Iman Abdelhamid, um die syrische politische Erfahrung, anhaltende Belastungen im Alltag und migrationspolitische Entwicklungen in Deutschland aus unterschiedlichen professionellen Blickwinkeln einzuordnen. Inhaltlich ging es um die Frage, wie politische Umbrüche und soziale Brüche zusammenwirken, welche psychosozialen Folgen langjährige Unsicherheit erzeugt und wie sich daraus konkrete Anforderungen an Unterstützung, Öffentlichkeit und politische Verantwortung ableiten lassen. Beide Veranstaltungen haben wir bewusst als Gegenmodell zu vereinfachenden, ideologisierten Erzählungen konzipiert: nicht als Bühne für schnelle Urteile, sondern als strukturierte Einladung zum Zuhören, Nachfragen und begründeten Widerspruch.

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